Alles Wissenswerte rund ums Wohnen — verständlich aufbereitet, mit praktischen Tipps und Checklisten für Mieterinnen und Mieter.
Das deutsche Mietrecht ist eines der mieterfreundlichsten der Welt. Hier finden Sie die wichtigsten Rechte im Überblick.
Der Vermieter kann nur unter bestimmten Voraussetzungen kündigen — etwa bei Eigenbedarf, erheblichen Vertragsverletzungen oder wirtschaftlicher Verwertung. Eine grundlose Kündigung ist nicht möglich.
WichtigIn Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt darf die Miete bei Neuvermietung maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ausnahmen gelten bei Neubauten und umfassenden Modernisierungen.
Die Kaution darf maximal drei Nettokaltmieten betragen. Sie muss getrennt vom Vermögen des Vermieters angelegt werden und der Mieter hat Anspruch auf die erwirtschafteten Zinsen.
Treten Mängel auf (Schimmel, defekte Heizung, Wasserschaden), muss der Vermieter diese beseitigen. Bis zur Beseitigung haben Sie ggf. das Recht auf Mietminderung.
Der Vermieter darf die Wohnung nicht ohne triftigen Grund und nicht ohne Ankündigung (mind. 24h vorher) betreten. Ihre Privatsphäre ist geschützt.
Sie müssen Modernisierungen dulden, die die Wohnung verbessern — aber der Vermieter darf maximal 8% der Kosten auf die Jahresmiete umlegen, mit einer Kappungsgrenze.
Gut zu wissen: Als Mieter haben Sie grundsätzlich ein Vorkaufsrecht, wenn Ihre Mietwohnung in eine Eigentumswohnung umgewandelt und verkauft werden soll (§ 577 BGB).
Die sogenannte „zweite Miete" — was darf der Vermieter abrechnen, und welche Fristen gelten?
Grundsteuer, Wasserversorgung, Entwässerung, Heizung, Warmwasser, Aufzug, Straßenreinigung, Müllabfuhr, Gebäudereinigung, Gartenpflege, Beleuchtung, Schornsteinfeger, Versicherungen, Hauswart, Gemeinschaftsantenne, Wäschepflege.
Instandhaltung und Reparaturen, Verwaltungskosten, Bankgebühren für Mietkonten, Leerstandskosten. Diese dürfen nicht auf Mieter umgelegt werden.
Prüfen Sie Ihre Abrechnung!Die Nebenkostenabrechnung muss spätestens 12 Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums beim Mieter eingehen. Verpasst der Vermieter diese Frist, müssen Sie keine Nachzahlung leisten.
12-Monats-RegelAchtung: Sie haben 12 Monate Zeit, um Einwände gegen die Nebenkostenabrechnung zu erheben. Lassen Sie die Abrechnung im Zweifel von einem Mieterverein prüfen!
Worauf Sie vor der Unterschrift achten sollten — und welche Klauseln unwirksam sein können.
Mietparteien, genaue Bezeichnung der Mietsache, Mietbeginn, Kaltmiete, Betriebskostenvorauszahlung, Kautionshöhe, Regelung zu Schönheitsreparaturen, Hausordnung als Anlage.
Starre Renovierungsfristen (z.B. „alle 3 Jahre Wände streichen"), pauschale Tierhaltungsverbote (Kleintiere dürfen nicht verboten werden), Verbot der Untervermietung bei berechtigtem Interesse.
Oft unwirksamEin befristeter Mietvertrag ist nur wirksam, wenn der Vermieter den Befristungsgrund schriftlich angibt (z.B. Eigenbedarf, Abriss, Umbau). Ohne Grund wird er automatisch unbefristet.
Tipps für die Wohnungssuche, welche Unterlagen Sie brauchen und worauf Sie achten sollten.
Schufa-Auskunft, Gehaltsnachweise der letzten 3 Monate, Mieterselbstauskunft, Kopie des Personalausweises, ggf. Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vorvermieter, Arbeitsvertrag.
Immobilienscout24, WG-Gesucht, eBay Kleinanzeigen, Immowelt, lokale Zeitungen, Aushänge in Supermärkten, Wohnungsbaugenossenschaften, soziale Netzwerke und Nachbarschaftsgruppen.
Zahlen Sie niemals Kaution oder Miete vor Vertragsunterzeichnung. Besichtigen Sie die Wohnung immer persönlich. Seien Sie misstrauisch bei Angeboten weit unter Marktpreis oder wenn der Vermieter im Ausland ist.
BetrugswarnungTipp: Sie können eine kostenlose Schufa-Datenkopie nach Art. 15 DSGVO einmal jährlich anfordern. Das reicht für die Wohnungssuche aus — die kostenpflichtige „BonitätsAuskunft" ist nicht zwingend nötig.
Wie Sie Mängel korrekt melden und welche Rechte Sie bei Wohnungsmängeln haben.
Melden Sie jeden Mangel schriftlich (Brief, E-Mail) mit Fotos und setzen Sie eine angemessene Frist zur Beseitigung (i.d.R. 14 Tage). Bewahren Sie eine Kopie auf. Mündliche Meldungen reichen nicht als Nachweis.
Bei erheblichen Mängeln dürfen Sie die Miete mindern — und zwar ab dem Zeitpunkt der Mängelanzeige. Die Höhe richtet sich nach der Beeinträchtigung: z.B. Heizungsausfall im Winter: 20–100%, Schimmel: 10–50%.
Miete kürzen erlaubtMieter können vertraglich zu Kleinreparaturen verpflichtet werden — aber nur bis ca. 100–120 € pro Einzelfall und max. 8% der Jahresmiete insgesamt. Darüber hinaus zahlt der Vermieter.
Wann und wie stark darf der Vermieter die Miete erhöhen? Ihre Rechte und Grenzen.
Die Miete darf innerhalb von 3 Jahren um maximal 20% steigen (in vielen Städten nur 15%). Orientierung bietet der örtliche Mietspiegel. Mieterhöhungen müssen schriftlich begründet werden.
Sie haben eine Überlegungsfrist bis zum Ende des übernächsten Monats. Stimmen Sie nicht zu, muss der Vermieter innerhalb von 3 Monaten Klage einreichen — sonst verfällt die Erhöhung.
Nach Modernisierung darf der Vermieter 8% der Kosten auf die Jahresmiete umlegen, aber max. 3 €/m² innerhalb von 6 Jahren (bei Mieten unter 7 €/m²: max. 2 €/m²).
Regeln rund um die Mietkaution — von der Zahlung bis zur Rückgabe.
Die Kaution darf drei monatliche Nettokaltmieten nicht übersteigen. Sie dürfen die Kaution in drei gleichen Monatsraten zahlen — die erste Rate ist bei Beginn des Mietverhältnisses fällig.
Der Vermieter muss die Kaution getrennt von seinem Vermögen anlegen (z.B. Sparkonto). Die erwirtschafteten Zinsen stehen Ihnen zu und erhöhen die Kautionssumme.
Nach Mietende hat der Vermieter eine angemessene Prüfungsfrist (i.d.R. 3–6 Monate). Für die Nebenkostenabrechnung darf er einen Teil einbehalten. Spätestens nach 12 Monaten muss alles zurückgezahlt sein.
Kündigungsfristen, Eigenbedarf und Ihr Schutz als Mieter.
Sie können jederzeit mit einer Frist von 3 Monaten kündigen (Eingang bis zum 3. Werktag des Monats). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen — E-Mail oder Fax reichen nicht.
Der Vermieter braucht einen gesetzlich anerkannten Grund. Die Kündigungsfrist beträgt 3 Monate (bis 5 Jahre Mietdauer), 6 Monate (5–8 Jahre) oder 9 Monate (über 8 Jahre).
Der Vermieter muss den Eigenbedarf konkret und nachvollziehbar begründen: für wen, warum. Vorgetäuschter Eigenbedarf kann Schadensersatzansprüche auslösen. Härtefalleinwände sind möglich.
Widerspruchsrecht prüfenSozialklausel (§ 574 BGB): Auch bei einer berechtigten Kündigung können Sie Widerspruch einlegen, wenn der Umzug eine unzumutbare Härte bedeuten würde (Alter, Krankheit, Schwangerschaft, Schulkinder).
Praktische Checklisten für Einzug, Auszug und die Wohnungsübergabe.
Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Mieten in Deutschland.
Wo Sie professionelle Unterstützung und Rechtsberatung finden.
Dachverband der Mietervereine — deutschlandweite Beratung
Persönliche Rechtsberatung — Mitgliedsbeitrag ca. 50–90 €/Jahr
Unabhängige Beratung zu Mietrecht und Nebenkosten
Bei geringem Einkommen: Staatliche Hilfe für Rechtsstreitigkeiten
Außergerichtliche Streitbeilegung — oft kostenlos oder günstig
Anwaltliche Erstberatung für 15 € bei geringem Einkommen
Empfehlung: Ein Mieterverein kostet ca. 50–90 € im Jahr und bietet umfassende Rechtsberatung — oft inklusive Rechtsschutzversicherung für Mietstreitigkeiten. Eine der besten Investitionen als Mieter.